{"id":51470,"date":"2025-01-31T17:06:38","date_gmt":"2025-01-31T16:06:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.accuracy.com\/?p=51470"},"modified":"2025-02-01T09:21:30","modified_gmt":"2025-02-01T08:21:30","slug":"ma-survival-guide-funf-schritte-zur-vermeidung-von-streitigkeiten-nach-einer-transaktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.accuracy.com\/en_gb\/ma-survival-guide-funf-schritte-zur-vermeidung-von-streitigkeiten-nach-einer-transaktion\/","title":{"rendered":"M&#038;A Survival Guide: F\u00fcnf Schritte zur Vermeidung von Streitigkeiten nach einer Transaktion"},"content":{"rendered":"<p>Die im Jahr 2020 beginnende COVID-19-Pandemie und die damit verbundene wirtschaftliche Unsicherheit l\u00f6ste einen starken R\u00fcckgang der globalen M&amp;A-Aktivit\u00e4t aus. Nach \u00dcberwindung des anf\u00e4nglichen Pandemie-Schocks und getrieben von niedrigen Zinsen sowie unternehmerischen Transformationen erlebte der M&amp;A-Markt im Jahr 2021 ein Rekordhoch. Faktoren wie geopolitische Unsicherheit, Rezessions\u00e4ngste und hohe Inflation sorgten f\u00fcr eine Abk\u00fchlung des Transaktionsgeschehens im Jahr 2022. Das Folgejahr 2023 war von weiterer Zur\u00fcckhaltung gepr\u00e4gt und wurde ma\u00dfgeblich vom hohen Zinsniveau und schwierigen Bedingungen am Fremdkapitalmarkt bestimmt.<\/p>\n<p>Im Jahr 2024 zeigte der M&amp;A-Markt erste Zeichen einer Stabilisierung: w\u00e4hrend aufgrund gro\u00dfer Transaktionen im Technologie- und Energiesektor das Gesamtvolumen an Transaktionen leicht anstieg, blieb deren Gesamtzahl hinter den Vorjahren. Die Aussicht f\u00fcr das Jahr 2025 ist dennoch positiv, was auf erwartete Zinssenkungen, Lockerungen von Regulierungsvorschriften sowie Rekordst\u00e4nden an verf\u00fcgbarem Investitionskapital bei Private-Equity-Investoren zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n<p>Trotz der zu erwartenden Beschleunigung des Transaktionsgeschehens sollten M&amp;A-Akteure weiterhin das Risiko von Streitigkeiten nach M&amp;A-Transaktionen, welche oft langwierig und kostspielig sind, im Auge behalten. Dieses Risiko ist besonders akut, wenn Parteien im Kaufvertrag (\u201eShare Purchase Agreement\u201c bzw. \u201eSPA\u201c) einen \u201eCompletion Accounts\u201c-Mechanismus vereinbart haben. Ein solcher Mechanismus sieht die nachtr\u00e4gliche Anpassung des Kaufpreises auf der Grundlage einer Zwischenbilanz vor, die von einer der Parteien erstellt wird. Dies bedeutet, dass der endg\u00fcltige Kaufpreis erst nach der \u00dcbertragung des Eigentums am Unternehmen festgelegt wird. Obwohl Completion Accounts einem K\u00e4ufer tendenziell mehr Schutz bieten, ist das Verfahren ressourcenintensiv und birgt gr\u00f6\u00dferes Streitpotenzial.<\/p>\n<p>Alternativ k\u00f6nnen sich die Vertragsparteien auf einen \u201eLocked Box\u201c-Mechanismus einigen, bei dem der Kaufpreis auf Basis einer historischen Bilanz ermittelt und im SPA festgelegt wird. Der Festpreischarakter der Locked Box kann das Streitrisiko verringern.<\/p>\n<p>Eine von Accuracy durchgef\u00fchrte Studie ergab, dass bei weniger als 20% der von uns bearbeiteten M&amp;A-Streitf\u00e4lle eine Locked-Box-Methode vereinbart worden war. Die Locked Box kann ein besonders effizientes Mittel sein, um Unstimmigkeiten in F\u00e4llen zu vermeiden, bei denen der Wert eines Unternehmens zwischen SPA-Unterzeichnung und Abschluss zu erheblichen Schwankungen neigt. Dies ist z.B. gegeben, wenn Marktvolatilit\u00e4t zu unerwarteten Schwankungen von Anleiherenditen f\u00fchrt, was wiederum erhebliche Auswirkungen auf den Wert langfristiger Verbindlichkeiten wie Pensionsverpflichtungen haben kann. W\u00e4hrend der Locked-Box-Mechanismus zwar das Risiko von Streitigkeiten verringern kann, so kann er auch dazu f\u00fchren, dass der vereinbarte Kaufpreis den Wert des Unternehmens zum Zeitpunkt des Eigentums\u00fcbergangs nicht exakt widerspiegelt. Aus diesem Grund bevorzugen viele K\u00e4ufer dennoch den Einsatz von Completion Accounts.<\/p>\n<p>Accuracy vereint durch den Einsatz multifunktionaler Teams erfahrene Transaktionsspezialisten mit ausgewiesenen Experten f\u00fcr Post-M&amp;A-Streitigkeiten. Dies gew\u00e4hrt uns die einzigartige M\u00f6glichkeit, unseren Kunden ma\u00dfgeschneiderte L\u00f6sungen f\u00fcr die Anforderungen des gesamten M&amp;A-Prozesses anzubieten. Durch unsere umfassende Erfahrung mit m\u00f6glichen Streitpunkten sind wir in der Lage unsere Mandanten professionell zu beraten, wie das Risiko von Streitigkeiten bereits w\u00e4hrend des Verhandlungsprozesses und vor SPA-Unterzeichnung bestm\u00f6glich minimiert werden kann.<\/p>\n<p>In den folgenden Abschnitten behandeln wir die h\u00e4ufigsten Ursachen von Streitigkeiten nach M&amp;A-Transaktionen und erl\u00e4utern, wie entsprechende Risiken minimiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Verbessern Sie Ihre Kaufvertragsklauseln (Mehrdeutigkeit hat schwerwiegende Folgen)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oftmals entstehen Streitigkeiten schlichtweg aufgrund unklarer Formulierungen im SPA, welche von den Parteien unterschiedlich interpretiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Insbesondere im Rahmen des Completion Accounts-Mechanismus kann es zu Streitigkeiten kommen, wenn die Hierarchie der Rechnungslegungsvorschriften, die f\u00fcr die Erstellung der Zwischenbilanz gelten, nicht klar definiert ist. In einem k\u00fcrzlich von Accuracy betreuten Schiedsgerichtsverfahren war beispielsweise im SPA nicht klar geregelt, ob vereinbarte Rechnungslegungsgrunds\u00e4tze, die mit IFRS-Vorschriften im Einklang waren, Vorrang vor der historisch durchgef\u00fchrten Rechnungslegungspraxis haben sollten. Der Verk\u00e4ufer erstellte die Completion Accounts nach seiner bisher durchgef\u00fchrten Vorgehensweise, was zu einer nicht IFRS-konformen Bilanzierung der konzerninternen Verbindlichkeiten f\u00fchrte. Der K\u00e4ufer vertrat die Auffassung, der wir zustimmten, dass spezifische Rechnungslegungsgrunds\u00e4tze Vorrang vor der historischen Praxis haben sollten. Zudem argumentierte der K\u00e4ufer, dass die Einhaltung von IFRS in jedem Fall durch das SPA vorgeschrieben war, da die Absicht der Parteien nicht darin bestand, bisherige fehlerhafte Bilanzierungspraxis fortzuschreiben.<\/p>\n<p>Streitigkeiten k\u00f6nnen auch entstehen, wenn Rechnungslegungsgrunds\u00e4tze selbst (oder deren methodische Anwendung) unklar, inkonsistent oder nicht vorhanden sind. Dies hat zur Folge, dass die Partei, welche die Completion Accounts erstellt, eigenes Ermessen einsetzen oder Sch\u00e4tzungen auf der Grundlage ihrer eigenen Auslegung vornehmen kann oder muss. In einem unserer F\u00e4lle wurde der Basis-Kaufpreis auf der Grundlage eines Gewinn-Multiplikators des Gesch\u00e4ftsjahres 2022 (\u201eGJ22\u201c) berechnet. Der Erwerber, der die Completion Acccounts erstellt hatte, war mit der Umsatzrealisierung zum Jahresende nicht einverstanden und buchte einen Teil der Ertr\u00e4ge des GJ22 in GJ23. er wendete diese Methodik jedoch nicht konsistent auf den Beginn des GJ22 an, was zu einer \u00e4hnlichen Verschiebung der Ertr\u00e4ge am Ende des GJ21 in das GJ22 gef\u00fchrt h\u00e4tte. Die Position des K\u00e4ufers ber\u00fccksichtigte faktisch nur einen Teil der Erl\u00f6se des GJ22, wodurch der Gewinn verringert und somit eine niedrigere Bewertung erzielt wurde. Dies wurde vom Verk\u00e4ufer angefochten. Im anschlie\u00dfenden Schiedsverfahren vertrat der Sachverst\u00e4ndige des K\u00e4ufers die Auffassung, dass die Vorgehensweise des K\u00e4ufers korrekt sei, da der Verk\u00e4ufer die Richtigkeit des Gesch\u00e4ftsberichts f\u00fcr das GJ21 zugesichert hatte und eine Anpassung des Ergebnisses von 2021 somit nicht m\u00f6glich sei. Demgegen\u00fcber waren wir der Meinung, dass die Erl\u00f6se des GJ22 \u00fcber den gesamten Berichtszeitraum in \u00dcbereinstimmung mit den einschl\u00e4gigen Rechnungslegungsvorschriften ausgewiesen werden sollten. Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrden die anzuwendenden Vorschriften die Korrektur von Fehlern aus fr\u00fcheren Perioden nicht verbieten, sondern vielmehr vorschreiben. Wir stellten fest, dass es wirtschaftlich irrational w\u00e4re, eine Anpassung zum Gesch\u00e4ftsjahresschluss ohne eine entsprechende Anpassung zum Gesch\u00e4ftsjahresbeginn vorzunehmen, da dies die tats\u00e4chliche Leistung des erworbenen Unternehmens verzerren und zu einem Vorteil f\u00fcr den K\u00e4ufer f\u00fchren w\u00fcrde. Wir stellten auch in Frage, ob die historische Umsatzrealisierung, welche im GJ21 sowie den Vorjahren angewandt wurde, tats\u00e4chlich fehlerhaft war, da die entsprechenden Konten von den Wirtschaftspr\u00fcfern des Verk\u00e4ufers testiert worden waren. Im vorliegenden Fall h\u00e4tte die Aufnahme pr\u00e4ziser Richtlinien zur Ertragsrealisierung in das SPA (soweit sie von der bisher durchgef\u00fchrten Praxis abweichen) den sp\u00e4teren Streit vermeiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich kommt es h\u00e4ufig zu Streitigkeiten, wenn Kaufpreisanpassungen f\u00fcr Finanzschulden, Barmittel und Working Capital im SPA nicht umfassend und pr\u00e4zise definiert sind. Dies kann zu Meinungsverschiedenheiten dar\u00fcber f\u00fchren, wie bestimmte Posten im Rahmen der Completion Accounts zu klassifizieren sind oder ob diese \u00fcberhaupt f\u00fcr die Kaufpreisberechnung eine Rolle spielen sollen. In einem solchen Fall, bei dem Accuracy einen potenziellen K\u00e4ufer vertrat, wurde vom Verk\u00e4ufer zwischen SPA-Unterzeichnung und Abschluss eine neue R\u00fcckstellung in wesentlicher H\u00f6he bilanziert. Der Verk\u00e4ufer vertrat den Standpunkt, dass dies keine Auswirkungen auf den Kaufpreis habe, da eine Ber\u00fccksichtigung gem\u00e4\u00df SPA nicht vorgesehen sei, w\u00e4hrend der K\u00e4ufer eine Reduktion des Kaufpreises forderte.<\/p>\n<p>Um solche Risiken zu verringern ist es essenziell, dass Rechtsanw\u00e4lte und Transaktionsberater bei der Ausarbeitung von SPA-Vereinbarungen eng zusammenarbeiten. So kann sichergestellt werden, dass der Kaufpreismechanismus und der Prozess zur Erstellung der Completion Accounts, einschlie\u00dflich der Rechnungslegungshierarchie, angemessen definiert sind. Soweit m\u00f6glich sollten Rechnungslegungsgrunds\u00e4tze und -verfahren eindeutig formuliert werden, um den Spielraum f\u00fcr Ermessensentscheidungen und Sch\u00e4tzungen durch die Parteien zu minimieren sowie vage oder mehrdeutige Formulierungen (z.B. \u201eangemessene Bem\u00fchungen\u201c, \u201enach bestem Wissen und Gewissen\u201c, \u201eim Rahmen des M\u00f6glichen\u201c) zu vermeiden. Dar\u00fcber hinaus ist es zielf\u00fchrend, Beispiele in das SPA aufzunehmen, wie z.B. eine pro-forma-Kontenzuordnung, Beispielrechnungen zur Bewertung bestimmter Aktiva und Passiva, oder Richtlinien zur Behandlung neuer Konten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Nutzen Sie die Due Diligence als erste Abwehrlinie<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein zweites Thema, mit dem wir in unserer Beratungspraxis bei Streitigkeiten im Rahmen von M&amp;A-Transaktionen h\u00e4ufig konfrontiert werden, besteht darin, dass die Ergebnisse der Due-Diligence-Untersuchung nicht vollst\u00e4ndig in das SPA einflie\u00dfen und daher keinen angemessenen Schutz f\u00fcr den K\u00e4ufer bieten.<\/p>\n<p>Wenn beispielsweise w\u00e4hrend der Financial Due Diligence Risiken im Zusammenhang mit der Einbringlichkeit von Forderungen festgestellt werden, der Kaufvertrag aber keinen Schutz gegen diese Risiken enth\u00e4lt (z.B. in Form einer spezifischen Entsch\u00e4digung), hat der K\u00e4ufer m\u00f6glicherweise keine Rechtsanspr\u00fcche, wenn der Wert der Forderungen nach der Transaktion berichtigt oder abgeschrieben wird. Die Nichtber\u00fccksichtigung von Due-Diligence-Ergebnissen kann auch dazu f\u00fchren, dass Referenzwerte f\u00fcr EBITDA, Nettoverschuldung oder Working Capital, welche f\u00fcr die Kaufpreisberechnung verwendet werden, unzutreffend sind. Der K\u00e4ufer k\u00f6nnte folglich nicht das bekommen, wof\u00fcr er bezahlt hat.<\/p>\n<p>Es ist daher entscheidend, dass Transaktionsberater einbezogen werden, um aus wirtschaftlicher\/kaufpreisbezogener Sicht bei der Gestaltung des SPA zu unterst\u00fctzen und sicherzustellen, dass die wichtigsten finanziellen Erw\u00e4gungen und Risiken, welche w\u00e4hrend der Due-Diligence-Untersuchung ermittelt wurden, angemessen ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Sollten mehrere Due-Diligence-Prozesse gleichzeitig durchgef\u00fchrt werden, z.B. steuerliche, rechtliche oder technische Due-Diligence-Pr\u00fcfungen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die jeweiligen Teams effizient miteinander kommunizieren. Nur so kann sichergestellt werden, dass keine Informationen an Schnittstellen der Fachbereiche w\u00e4hrend der Transaktion verloren gehen. Beispielsweise wird der K\u00e4ufer versuchen, sich gegen potenzielle Kosten k\u00fcnftiger Rechtsstreitigkeiten abzusichern, die im Rahmen der rechtlichen Due Diligence identifiziert wurden, sowie sicherzustellen, dass alle bestehenden und potenziellen Steuerverbindlichkeiten im Kaufpreis ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Ebenfalls kann es sinnvoll sein, Experten aus den Bereichen SPA-Advisory bzw. Post-M&amp;A Streitigkeiten in das Due-Diligence-Team aufzunehmen. Ihre Erfahrung erm\u00f6glicht es Ihnen, Sachverhalte mit erh\u00f6htem Streitpotenzial fr\u00fchzeitig zu erkennen, damit diese angemessen im SPA adressiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Finanzielle Integrit\u00e4t: Fr\u00fchzeitig die \u201eLeichen aus dem Keller holen\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine weitere h\u00e4ufige Ursache f\u00fcr Streitigkeiten k\u00f6nnen Probleme im Zusammenhang mit der Verl\u00e4sslichkeit der vom Verk\u00e4ufer vorgelegten Finanzdaten sein, und zwar entweder (i) in Bezug auf die w\u00e4hrend der Due-Diligence-Phase vorgelegten Finanzinformationen, auf die der K\u00e4ufer seine Bewertung st\u00fctzt, oder (ii) in Bezug auf die Daten, die den Completion Accounts selbst zugrunde liegen.<\/p>\n<p>In bestimmten F\u00e4llen kann dies ungewollt sein, z.B. wenn der Verk\u00e4ufer versehentlich Fehler in seinen ungepr\u00fcften Finanzberichten gemacht hat oder ihm die Fachkenntnisse f\u00fcr die Erstellung von Zwischenbilanzen fehlen. Vor allem in kleinen Unternehmen k\u00f6nnen schwache Kontrollprozesse oder ein Mangel an Fachpersonal zu Fehlern und\/oder unvollst\u00e4ndigen oder veralteten Finanzinformationen f\u00fchren. Sollten Verk\u00e4ufer und K\u00e4ufer unterschiedliche Rechnungslegungsstandards oder -grunds\u00e4tze anwenden (z.B. IFRS und US GAAP oder unterschiedliche Kriterien f\u00fcr die Umsatzrealisierung), kann dies zu Ungewissheit hinsichtlich der tats\u00e4chlichen Finanzlage des Kaufobjekts f\u00fchren.<\/p>\n<p>Der K\u00e4ufer sollte vorsichtig sein, wenn der Verk\u00e4ufer aggressive Rechnungslegungsmethoden anwendet (z.B. zur Maximierung des EBITDA im Zusammenhang mit einem auf Multiplikatoren basierenden Kaufpreis), oder zu optimistische Prognosen erstellt, um den Verkaufspreis zu maximieren. In extremen F\u00e4llen k\u00f6nnte ein Verk\u00e4ufer seine Buchf\u00fchrung absichtlich manipulieren oder sogar f\u00e4lschen, indem er die zugrunde liegende wirtschaftliche Leistung durch Transaktionen mit verbundenen Parteien verzerrt oder wesentliche Verbindlichkeiten nicht offenlegt. In einem Fall, an dem Accuracy beteiligt war, hatte unser Kunde beispielsweise eine Agentur f\u00fcr digitales Marketing erworben. Nach dem Abschluss der Transaktion stellte sich heraus, dass der Verk\u00e4ufer in seiner Buchhaltung unsachgem\u00e4\u00df Ums\u00e4tze realisiert und die Ertr\u00e4ge k\u00fcnstlich aufgebl\u00e4ht hatte, um das Zielunternehmen in einem wahrheitswidrig positiven Licht darzustellen.<\/p>\n<p>Um sich zu sch\u00fctzen, sollte der K\u00e4ufer potenzielle Risikobereiche so fr\u00fch wie m\u00f6glich identifizieren und sicherstellen, dass diese Aspekte in den Verhandlungen angemessen ber\u00fccksichtigt werden. Solche Risikobereiche sind z.B. Manipulationsm\u00f6glichkeiten des Kaufpreismechanismus oder F\u00e4lle, bei denen k\u00fcnftige Volatilit\u00e4t den Unternehmenswert verzerren und\/oder eine Garantieverletzung verursachen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Eine gr\u00fcndliche Due-Diligence-Untersuchung ist ebenfalls unerl\u00e4sslich, um etwaige Bilanzierungsfehler oder b\u00f6swilliges Verhalten des Verk\u00e4ufers aufzudecken. Handelt ein Verk\u00e4ufer unehrlich, k\u00f6nnte er versuchen, sein Verhalten durch schwer verst\u00e4ndliche Buchf\u00fchrungspraktiken zu verschleiern. Eine sorgf\u00e4ltige Due-Diligence- Untersuchung kann diese Komplexit\u00e4t durchdringen und potenzielle \u201eLeichen im Keller\u201c ans Licht bringen, die andernfalls m\u00f6glicherweise erst nach Abschluss der Transaktion entdeckt werden.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche verbleibenden Risiken sollten so weit wie m\u00f6glich durch umfassende Garantien und Entsch\u00e4digungen im SPA sowie durch klare Vorgaben f\u00fcr die Erstellung der Completion Accounts oder andere Finanzunterlagen verhindert werden. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die in das SPA aufgenommenen buchhalterischen Garantien hinreichend spezifisch sind, insbesondere wenn die Abschl\u00fcsse des Zielunternehmens nicht testiert sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong>Komplexit\u00e4t mit Einfachheit bew\u00e4ltigen<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einige SPAs k\u00f6nnen komplexe Preisanpassungsmechanismen enthalten, die den Parteien k\u00fcnftige und manchmal bedingte Rechte einr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel hierf\u00fcr sind Earnout-Klauseln, welche einem Verk\u00e4ufer nach der Transaktion eine zus\u00e4tzliche Verg\u00fctung gew\u00e4hren, sollte das Unternehmen bestimmte Ziele erreichen (z.B. ein vereinbartes EBITDA). Earnouts sind zu einem h\u00e4ufigen Merkmal von M&amp;A-Transaktionen geworden. Marktstudien zeigten, dass etwa ein Drittel der M&amp;A-Transaktionen im Jahr 2023 eine Form von Earnout enthielten.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>1<\/sup><\/a>\u00a0 SPAs k\u00f6nnen auch Verkaufs- oder Kaufoptionen enthalten, die entweder dem Verk\u00e4ufer eine Option zum Verkauf von Anteilen oder dem K\u00e4ufer eine Option zum Kauf von Anteilen zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt und zu einem vorab festgelegten Preis einr\u00e4umen. Solche Mechanismen k\u00f6nnen eingesetzt werden, um die Interessen beider Parteien zu wahren und eine Bewertungsl\u00fccke zu schlie\u00dfen, wenn die Preisvorstellungen von K\u00e4ufer und Verk\u00e4ufer nicht \u00fcbereinstimmen.<\/p>\n<p>In Anbetracht der Komplexit\u00e4t dieser Mechanismen kommt es h\u00e4ufig zu Spannungen zwischen Vertragsparteien. Dies gilt insbesondere, wenn entsprechende Mechanismen nicht mit anderen Bestimmungen des SPAs harmonisieren.<\/p>\n<p>Angesichts der Tatsache, dass zwischen Transaktionsvollzug und Earnout-Zeitpunkt eine betr\u00e4chtliche Zeitspanne liegen kann, stellen wir h\u00e4ufig fest, dass Earnouts in Kaufvertr\u00e4gen nicht ausreichend dokumentiert werden. So enthalten SPAs zwar oft ausf\u00fchrliche Vorschriften f\u00fcr die Erstellung von Completion Accounts, w\u00e4hrend Bestimmungen f\u00fcr die Berechnung eines Verk\u00e4ufer-Earnouts unzureichend sind. Wenn es diesbez\u00fcglich an Klarheit mangelt, sind Streitigkeiten h\u00e4ufig vorprogrammiert.<\/p>\n<p>Daher sollten die Parteien in der Verhandlungsphase \u00fcberlegen, wie komplexe Vorf\u00e4lle mit sp\u00e4teren Auswirkungen auf die Leistung des Unternehmens und damit den Earnout gehandhabt werden k\u00f6nnen. Dies umfasst z.B. Synergien, die Integration des Transaktionsobjekts oder vom K\u00e4ufer eingerichteter Kostenkontrollen.<\/p>\n<p>In F\u00e4llen, in denen komplexe Sachverhalte den Vertragsparteien k\u00fcnftiges Kopfzerbrechen bereiten k\u00f6nnten, ist \u201ckeep it simple\u201c h\u00e4ufig die beste Devise. Die Parteien sollten in Erw\u00e4gung ziehen, sich bei der Formulierung des SPAs von ihren Beratern unterst\u00fctzen zu lassen. So kann auch hier sichergestellt werden, dass die Klauseln zur Kaufpreisanpassung klar formuliert sind und keine L\u00fccken oder Widerspr\u00fcche enthalten.\u00a0 Zudem empfehlen wir Beispielrechnungen in den SPA aufnehmen, um Unklarheiten zu verhindern. Dies kann beispielsweise eine Festlegung der wichtigsten Leistungsindikatoren (z.B. \u201eGewinn\u201c) f\u00fcr die Berechnung des Earnouts sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong>Lassen Sie die nicht Transaktionsdynamik Ihre Entscheidungsfindung beeinflussen<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch die besondere Dynamik einer M&amp;A-Transaktion kann das sp\u00e4tere Streitrisiko erh\u00f6hen. So k\u00f6nnte der K\u00e4ufer unter Zeitdruck stehen, um die Transaktion vor einer bestimmten Frist, z.B. zum Jahresende, abzuschlie\u00dfen. Auch k\u00f6nnte er von seinen Anteilseignern oder Kreditgebern gedr\u00e4ngt werden, eine Akquisition schnellstm\u00f6glich zu finalisieren. Dies kann dazu f\u00fchren, dass dem Due-Diligence-Prozess oder der Ausarbeitung des SPAs nicht die erforderliche Zeit und Sorgfalt gewidmet wird. Wenn ein K\u00e4ufer bereits eine Investitionsentscheidung getroffen hat, z.B. aus strategischen Gr\u00fcnden, ist er m\u00f6glicherweise weniger empf\u00e4nglich f\u00fcr \u201eschlechte Nachrichten\u201c, die w\u00e4hrend der Due-Diligence-Pr\u00fcfung ans Licht kommen und nachtr\u00e4glich Probleme verursachen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Unter bestimmten Umst\u00e4nden kann der Kaufpreis durch Faktoren bestimmt werden, die nicht mit dem Unternehmenswert korrelieren, wie z.B. ungeeignete Multiplikatoren oder ein kompetitives Bieterverfahren, das den Verk\u00e4ufer in eine starke Verhandlungsposition versetzt. Es kann auch vorkommen, dass der K\u00e4ufer die wichtigsten wertbestimmenden Faktoren vor der Unterzeichnung nicht vollst\u00e4ndig verstanden hat, weil er w\u00e4hrend der Due-Diligence-Pr\u00fcfung unzureichend mit seinen Beratern kommuniziert hat.<\/p>\n<p>Die mit solchen Umst\u00e4nden verbundenen Risiken lassen sich gegebenenfalls nur schwer eind\u00e4mmen. Der Erwerber kann jedoch grunds\u00e4tzlich bereits in einer fr\u00fchen Phase des Erwerbsvorgangs eine Szenariomodellierung durchf\u00fchren, um sicherzustellen, dass er sich der Bandbreite m\u00f6glicher Ergebnisse der Transaktion bewusst ist und, um den weiteren Transaktionsprozess zu \u00fcberdenken.<\/p>\n<p>Gleichwohl ist es bew\u00e4hrte Praxis, dass<\/p>\n<ul>\n<li>die Parteien sich \u00fcber die finanziellen Folgen ihrer jeweiligen Absichten im Klaren sind und sicherstellen, dass dies im SPA angemessen zum Ausdruck kommt (inklusive angemessener Schutzma\u00dfnahmen),<\/li>\n<li>Berater so fr\u00fch wie m\u00f6glich in den M&amp;A-Prozess einbezogen werden, um Risiken (einschlie\u00dflich des Risikos sp\u00e4terer Streitigkeiten) zu erkennen und so weit wie m\u00f6glich zu minimieren und<\/li>\n<li>insbesondere aus der Sicht des K\u00e4ufers robuste Kommunikationskan\u00e4le zwischen den verschiedenen Beratern eingerichtet werden, um einen effizienten Informationsaustausch w\u00e4hrend der Due-Diligence-Untersuchung zu gew\u00e4hrleisten, so dass der K\u00e4ufer w\u00e4hrend den Verhandlungen m\u00f6glichst fundierte Entscheidungen treffen kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Bei einer M&amp;A-Transaktion versuchen sowohl K\u00e4ufer als auch Verk\u00e4ufer den Wert zu maximieren, den sie durch die Transaktion realisieren. Oftmals existiert interner oder externer Druck den Deal abzuschlie\u00dfen. Unter diesen Umst\u00e4nden ist es nicht verwunderlich, dass es anschlie\u00dfend h\u00e4ufig zu Streitigkeiten kommt.<\/p>\n<p>Das Risiko ist besonders hoch, wenn die Parteien Completion Accounts verwenden oder andere nachgelagerte Kaufpreisanpassungen verhandelt haben. Eine aktuelle Studie von Grant Thornton, die fast 4.000 M&amp;A-Transaktionen umfasst, ergab, dass 26 % der Transaktionen mit Anpassungsmechanismen des Working Capitals und 36 % mit Earnout-Mechanismen in Streit endeten.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Parteien k\u00f6nnen daher erw\u00e4gen, die Unsicherheit \u00fcber den Kaufpreis durch den Einsatz eines Locked-Box-Mechanismus zu verringern. Dies reduziert das Streitrisiko jedoch nicht vollst\u00e4ndig. Insbesondere der Wertverlust zwischen Vertragsunterzeichnung und Vertragsabschluss wird f\u00fcr den K\u00e4ufer Anlass zur Sorge sein, der sich zwangsl\u00e4ufig st\u00e4rker auf SPA-Garantien und -Entsch\u00e4digungen zu seinem Schutz verlassen muss.<\/p>\n<p>Die Parteien k\u00f6nnen ihre Interessen weiterhin sch\u00fctzen, indem sie so fr\u00fch wie m\u00f6glich im M&amp;A-Prozess kompetente Berater (auch solche mit Erfahrung in Streitf\u00e4llen) hinzuziehen, um zu gew\u00e4hrleisten, dass alle wichtigen Kaufpreisparameter im SPA richtig definiert sind, begleitet von spezifischen, verpflichtenden Rechnungslegungsvorschriften mit einer klaren Hierarchie sowie unterst\u00fctzenden Beispielen und Kontenzuordnungen. Klarheit und Einfachheit sind grundlegende Prinzipien bei der Ausarbeitung des SPA. Denn wenn man den Formulierungen im SPA die gebotene Sorgfalt und Aufmerksamkeit widmet, k\u00f6nnen langwierige und kostspielige Streitigkeiten zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt vermieden werden.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig vom Kaufpreismechanismus sollte ein K\u00e4ufer sicherstellen, dass die vor der Vertragszeichnung durchgef\u00fchrte Due Diligence des zu erwerbenden Unternehmens gr\u00fcndlich durchgef\u00fchrt wurde und die Ergebnisse aus den Verhandlungen im SPA angemessen ber\u00fccksichtigt werden. Eine effiziente Kommunikation zwischen den verschiedenen Due-Diligence-Disziplinen kann sicherstellen, dass Risiken rechtzeitig erfasst werden und der K\u00e4ufer w\u00e4hrend des Akquisitionsprozesses fundierte Entscheidungen treffen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u2014<\/p>\n<h5><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><sup>1<\/sup><\/a>\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/www.womblebonddickinson.com\/us\/insights\/alerts\/earnout-deals-surge-uncertain-times-what-ma-professionals-need-know-about-earnouts\">https:\/\/www.womblebonddickinson.com\/us\/insights\/alerts\/earnout-deals-surge-uncertain-times-what-ma-professionals-need-know-about-earnouts<\/a><\/h5>\n<h5><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><sup>2<\/sup><\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.grantthornton.com\/content\/dam\/grantthornton\/website\/assets\/content-page-files\/advisory\/pdfs\/2024\/ma-dispute-survey-2023-report.pdf\">https:\/\/www.grantthornton.com\/content\/dam\/grantthornton\/website\/assets\/content-page-files\/advisory\/pdfs\/2024\/ma-dispute-survey-2023-report.pdf<\/a><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Autoren: Louis Osman, Edmond Richards, Charlene Burridge und Maren Burtoft.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die im Jahr 2020 beginnende COVID-19-Pandemie und die damit verbundene wirtschaftliche Unsicherheit l\u00f6ste einen starken R\u00fcckgang der globalen M&amp;A-Aktivit\u00e4t aus. 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